Rettet die Mur-Auen – Schützt die Natur

Rettet die Mur-Auen – Schützt die Natur!

compressed_0291Die Verbund AG will gemeinsam mit dem steirischen Energiekonzern SteweAG-Steg GmbH bei Gössendorf und Kalsdorf zwei neue Murkraftwerke mit einer durchschnittlichen Gesamtleistung von nicht einmal 20 Megawatt errichten.

Für diese relativ geringe Leistung wird ein Landschaftsschutzgebiet geopfert, der (Er)lebensraum Fluss und Auwald unwiederbringlich zerstört.

Die erwartete Leistung – 165 GWh/Jahr – entspricht etwa 1,9 % des steirischen Strombedarf – soviel wie die jährliche Verbrauchssteigerung in der Steiermark beträgt. Wenn man der Logik der Energiekonzerne folgt, müsste also jedes Jahr ein neues Kraftwerk gebaut werden! Die geplante Investitionssumme beträgt 155 Millionen Euro, dieser Betrag könnte in den Ausbau von wirklicher Alternativenergie, Effizienzsteigerungs-, Einsparungs- und wirkungsvolle Renaturierungsmaßnahmen des schon jetzt viel zu stark regulierten Flussabschnittes investiert werden, statt sie sinnlos in der Mur zu versenken. Durch die Rodung des Waldes und die Bautätigkeit würden Fischotter, Fledermäuse, Vögel, Schmetterlinge und viele bedrohte Tierarten verschwinden. Trotz der laufenden Einspruchsverfahren beim Verwaltungsgerichtshof und bei der EU-Kommission (u.a. wegen der Verstöße gegen die Wasserrahmenrichtlinie, denn ein Kraftwerk verschlechtert jedenfalls die Wasserqualität) und ohne Beachtung der Artenschutzrichtlinien (durch die viele in den Murauen vorkommende Tierarten geschützt sind) wurde bereits mit den Schlägerungen begonnen.

fetch

Die bestehenden Stauanlagen machen die freien Fließstrecken der Mur schon jetzt rar, mit den neuen Anlagen werden jeweils weitere 4 km Flussstrecke aufgestaut. Das geplante Ausgleichsgerinne wird nur 1 % des bisher fließenden Wassers führen – viel zu wenig für die natürlich vorkommenden Fischarten (z.B. Strömer, Forelle und Äsche und nicht zuletzt der metergroße Huchen, der “König der Mur”). Sie können in stehenden Gewässern auf Dauer nicht überleben.

Auch andere Ausgleichsmaßnahmen können den Charakter des Ökosystems Auwald, das regelmäßige Überflutungen zur Aufrechterhaltung braucht, kaum wieder herstellen. Manche der geplanten Maßnahmen (z.B. die Verringerung der Grundwasseranstiege) sind gar schädlich. Statt halbherziger Behübschungsmaßnahmen wie der von der Grazer Bau- und Grünlandsicherungs-Ges.m.b.H (GBG) bis 2012 (direkt neben der Autobahn!) geplante “Freizeitpark” sollte der Naturraum erhalten bleiben. Es ist das letzte größere naturbelassene Naherholungsgebiet. Schon jetzt dient es vielen Menschen zur Erholung von Grazer Feinstaubluft und Abgasduft.

Nach der Fertigstellung sind die Grundwassserversorgung und die schon jetzt maximal alle 5 – 10 Jahre auftretenden Überschwemmungen der Au noch stärker als bisher unterbunden. Das Argument, mit dem Kraftwerk könnten große Hochwässer (die im Schnitt alle 100 Jahre passieren, aber durch den Klimawandel häufiger werden könnten) verhindert werden, ist nur halbwahr: Durch die Baumaßnahmen gehen 190 ha Hochwasser-Rückzugsgebiet verloren – diese Flächen könnten in Acker- oder Bauland umgewidmet werden. Kurzfristige ökonomische Interessen stehen also auch hier vor der ökologischen Sinnhaftigkeit. Gegen die bisher alle 300 bis 1000 Jahre auftretenden verheerenden Überschwemmungen ist aber jeder Hochwasserschutz zwecklos, sie würden in Zukunft noch größere Schäden anrichten.

Im Prinzip wäre die Nutzung der erneuerbaren Energiequelle Wasserkraft ja zu begrüßen. In Österreich ist die Wasserkraft aber schon jetzt so gut ausgebaut, dass weitere Staudämme eine unverhältnismäßige Zerstörung der letzten Fließgewässer und ihrer natürlichen Umgebung bedeuten würden. Bereits jetzt gibt es 30 Kraftwerke an der Mur, mindestens fünf weitere sind geplant. Es ist genug! Wenn wir es schaffen, den Bau der Kraftwerke im Süden von Graz zu verhindern, kann das richtungsweisend für ein prinzipielles Umdenken in der Energiepolitik sein – hin zu wirklichen Alternativen zu fossilen Energieträgern.

Warum wir gegen den Kraftwerksbau sind:

  • Weil dadurch der letzte größere und von Menschen relativ unberührte Naturraum in Graz und Umgebung zerstört wird.
  • Weil das Ökosystem “Au” der Lebensraum zahlreicher gefährdeter Tierarten ist.
  • Weil die Grundstückseigentümer_innen enteignet werden, wenn sie ihre Waldstücke nicht freiwillig an das Unternehmen verkaufen.
  • Weil auch die Klimabilanz denkbar schlecht ist: Der Wald geht als Kohlenstoffsenke verloren, aus der Störung des Bodenlebens resultieren Methan- und Kohlendioxidemissionen.
  • Weil das Geld anderweitig besser investiert werden könnte – beispielsweise in Energiespar-Maßnahmen und in Maßnahmen zur Renaturierung des schon jetzt stark regulierten Flussabschnittes.

Wir fordern:

  • Sofortige Nachdenkpause und objektive Prüfung von Alternativen!
  • Information der Bevölkerung über das Ausmaß der Naturzerstörung vor ihrer Haustür!
  • Massive finanzielle Förderungen für Wärmedämmung, Sonnenkollektoren, Photovoltaik oder Nutzung von Erdwärme!
  • Forcierung des Umstiegs auf dezentrale Stromversorgung aus erneuerbaren Quellen wie Sonne, Biomasse und Windkraft durch ein neues Ökostromgesetz!
  • Strom sparen statt neue Kraftwerke bauen!

Unabhängige und überparteiliche Plattform zur Rettung der Mur-Auen Lendkai 45, 8020 Graz au@riseup.net

2 Antworten zu “Rettet die Mur-Auen – Schützt die Natur”

  1. Luther Blissett sagt:

    Seit einiger Zeit stehen riesige (Des-)Informationstafeln der Konzerne im Wald, auf denen unter den Überschriften “Hier ist etwas im Entstehen” und “im Dialog mit der Natur” und den bekannten Photomontagen einer heilen Kraftwerkswelt die üblichen leicht wiederlegbaren Argumente aufgelistet werden. Eigentlich müsste es heißen: “hier wird Natur zerstört” und “Gegen das Leben” 🙁

  2. Herbert Wagner sagt:

    Aus nichts kann ich kein seriöses Urteil über die Auswirkungen auf die
    Biologie im Gebiet geben, ich bin zu wenig informiert und kenne das
    Gebiet nicht gut genug. Es gab Kartierungen, allerdings wurden diese
    unzureichend gemacht und so, dass es den Kraftwerksbauern recht gemacht
    wurde. Sicher ist, dass 2 FFH-Arten vorkommen (es könnten weitere
    hinzukommen, vielleicht gibt es dazu schon Erhebungen). Die Larven des
    Scharlachkäfers leben im Totholz der Laubbäume. Und der Huchen, der sich
    in den letzten Jahren gut vermehrt hat, wird durch den Kraftwerksbau
    ziemlich sicher wieder aus dem Grazer Raum verschwinden. Nach den
    EU-Richtlinien darf kein Staat den Lebensraum einer FFH-Art
    einschränken. Es gibt bei einem Strafverfahren gegen so einen Staat hohe
    Summen an die EU zu entrichten. Vor wenigen Jahren zahlte Griechenland
    z. B. kräftig dafür, dass Jugendliche mit Mopeds den Brutstrand einer
    FFH-Schildkrötenart gefährdeten, weil das Gebiet nicht gut genug
    abgesichert war. Sicher ist auch, dass Österreich durch dieses Vorhaben
    gegen die EU-Richtlinien verstößt. Es stellt sich nur die Frage ob
    Brüssel dagegen vorgeht oder ob die Staaten mittlerweile schon immer
    mehr “Extragenehmigungen” erhalten… Die Bauern dort sind ziemlich alle
    glücklich mit dem Kraftwerk, denn von einer so guten Ablöse haben die
    wohl nicht einmal geträumt … Die Leute haben leider viel zu wenig ein
    Auge für die Natur! Unter den Biologen weiß natürlich jeder, dass so
    etwas so oder so ein Eingriff ist, der nicht zu entschuldigen ist, egal
    wie viele FFH-Arten dort leben (diese Arten sind nach meiner Abschätzung
    sowieso unzureichend und teilweise unbegründet gewählt). Aber es gibt
    leider ein paar scharze Schafe, die so etwas möglich machen. Es handelt
    sich um sehr alte Biologen die von allen gehasst werden. Sie stimmen bei
    allen Projekten zu und verdienen damit besonders viel, weil sie folglich
    viele Aufträge bekommen. Das Ökoteam zum Beispiel stimmt immer dagegen
    oder verlangt umfassende Ausgleichsmaßnahmen. Erst gestern erfuhr ich,
    dass es Pläne gab die Au in diesem Gebiet zu renaturieren und zu einem
    Europa 2000-Schutzgebiet zu machen (vgl. Renaturiereungsprojekt in
    Gosdorf) !!!!! Dies ist hiermit leider hinfällig. Gibt es weiteren
    Widerstand? Bitte schreib mir, wenn du was weißt! Wenn es geht bin ich
    jetzt endlich mal dabei. Beim letzten Camp in der Au war ich ja, aber
    das sah nicht nach viel Widerstand aus. Es waren wohl kaum Biologen
    darunter. Leider ist der Bau breits beschlossene Sache, Widerstand ist
    aber trotzdem nicht zwecklos! Weil erstens dadurch möglicherweise
    Ausgleichsmaßnahmen getroffen werden, zweitens die nächsten
    Kraftwerksbauer den möglichen Wieder- Widerstand als
    Unrentabilitätsfaktor in ihr Projekt miteinbeziehen müssen!
    SG Heri

Eine Antwort hinterlassen