Negawatt-Power …

Naturschutzorganisationen: Plattform, Naturschutzbund, WWF ...

… statt Megawatt-Verschwendung!

In der Diskussion rund um die Wasserkraftwerke in der Steiermark steht seitens der Industrielobby der Mehrbedarf an elektrischer Energie an oberster Stelle.

Dabei ist jedes Mittel recht, also werden alle Interessensvertretungen in Gleichschritt gebracht und die andere Seite (Naturschutzorganisationen) unter Druck gesetzt und verunglimpft …

Nicht selten helfen dabei einige heimische Medien den Mächtigeren, kein Wunder, sie gehören ja auch den Mächtigen. Wen wundert es, dass die Naturschützer dann schlecht da stehen. Dabei waren diese Gruppen in der Vergangenheit immer wieder durch ihr Verhalten die Vorreiter von positiven Veränderungen in unserer Umwelt. Ich denke da an die saubere Luft oder an das saubere Wasser (Feinstaubdiskussion, Bleihältige Kraftstoffe, Schwefelhältige Abgase aus der Industrie, Verunreinigung der Gewässer durch die chemische Industrie, Papierfabriken, Verbote von Spritzmittel, etc.) und ich denke an die Bio-Bewegung, der heute mehr als 20 % der steirischen landwirtschaftlichen Betriebe angehören und deren Anteil noch immer wächst. Sogar die heimischen Wein- und Obstbauern, traditionell mit chemischen Mitteln arbeitende landwirtschaftlicher Zweige, denken zum Teil an den Umstieg.

Seit Jahrzehnten kämpfen Leute auf dieser Welt um die Erhaltung der Artenvielfalt und mit ihr um die Erhaltung der vielfältigen Landschaften auf dieser Erde. Trotzdem werden täglich Fußballfeld große Flächen in der Steiermark neu verbaut und massive Verschlechterungen der Umwelt jederzeit in Kauf genommen und immer mit dem Vorwand des größeren Interesses, nämlich des Wirtschaftlichen. Ist denn immer das wirtschaftliche Interesse tatsächlich größer oder ist es nur eine Lobby die an den richtigen Stellen schraubt, damit immer wieder diese Erkenntnis herauskommt? Was wäre denn, wenn das Interesse an einer intakten Umwelt größer wäre? Gibt es dann den Stillstand, der uns immer wieder von denselben Leuten eingeredet wird?

Derzeit sieht es so aus, als ob der Naturschutz und der oft mit dem Naturschutz verwechselte Umweltschutz gleichzeitig zwei Forderungen an die Zukunft stellen, welche sich gegenseitig ausschließen. Die Notwendigkeit, den Umstieg von fossiler Energie auf erneuerbare Energien (einschließlich der Wasserkraft) widerspricht eindeutig der Erhaltung der Biodiversität. Denn entlang und in den Flüssen hält sich nun mal 2/3 des Artenreichtums in der Steiermark auf. Und staut man die Gewässer, so ist dieser Artenreichtum innerhalb von nur wenigen Jahren dahin. Und er ist auch nicht auszugleichen, durch Besatzmaßnahmen, Pflanzungen oder ähnlichen meist kontraproduktiven Maßnahmen des sogenannten ökologischen Ausgleichs. Der Verlust der Dynamik im Gewässer und der Sauerstoffreichtum, der Nährstofftransport, der Wärmetransport, die frischen Sedimente, etc, können durch nichts ersetzt werden. Und wenn die Wege der Tiere durch Staudämme verbaut sind, so sterben sie aus.

Ja, wir wollen ja nur zwischen den schon bestehenden Kraftwerken neue hinein bauen. Mit diesem Argument, hofft man auf die Gunst der Bevölkerung, weil in diesen Abschnitten laut Experten ja ohnehin nichts mehr zu retten ist. Aber dem ist nicht so. Auf den, wenn auch kürzeren Regenerationstrecken zwischen den Kraftwerken halten sich nicht nur die letzten Reste der Wasserfauna von Fließabschnitten auf, hier wird das Wasser wieder mit Sauerstoff versorgt. Freilich, die Erwärmung durch die Staubereiche und damit verbundene Überdüngung der Gewässer wird kaum gelindert. Da gäbe es noch hunderte Argumente gegen die Wasserkraft.

Weil ich aber nicht um den heißen Brei herum reden möchte, mache ich nur darauf aufmerksam, dass jede, nicht verbrauchte, eingesparte Megawattstunde, eine positive für unser Klima und unsere belebte Umwelt ist. Wir Naturschützer nennen das die Negawatt- Power. Also lasst uns Negawatt produzieren.

Meint euer

Mag. Bernard Wieser

bernard.wieser@utanet.at

Gebietsbetreuer

Eine Antwort zu “Negawatt-Power …”

  1. Viktor sagt:

    Eines der Argumente der E-Wirtschaft ist der stetig steigende Stromverbrauch. Durch die Krise ist aber der Stromverbrauch stark gesunken (zB. laut “Presse” 2. Juli 2009), sodaß genügend Zeit für eine Nachdenkpause bestünde. Es wäre auch sinnvoller, ESTAG-Überschüsse für bessere Projekte bzw. dem notleidenden Landesbudget zuzuleiten.

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